Zwei sind auch eine Familie

Bestimmte Beziehungen werden in unserer Gesellschaft als ‘normal’ für uns Menschen betrachtet. Filme, TV-Serien, Zeitschriften und Social Media Feeds transportieren diese ‘Ideal-Version’ von menschlichen Beziehungen und wie sie aussehen sollten. Auch wir selbst vergleichen unsere Beziehungen mit Eltern, Geschwistern, Kindern und unseren Partnern oft mit dieser Phantasie der “perfekten” Familie. Doch, wie wir alle wissen, bekommen wir nicht alle die Familie oder die Erfahrung, die wir gerne hätten.

Bevor ich weiter schreibe, will ich nochmal klarmachen, dass es viele Menschen gibt, die diese Beziehungen und Erfahrungen, wie sie uns vorphantasiert werden, eben nicht haben und manche, die eben auch gar nicht danach suchen. Zum Beispiel Menschen, die sich bewusst gegen Kinder entscheiden (Childless by choice), aus welchen Gründen auch immer. Oder Menschen, die glücklich als Single sind usw. Das gibt es und diese Menschen sind glücklich und in Frieden mit sich und das ist gut so. Doch dieser Beitrag ist nicht für diese Menschen gedacht, sondern für die, die sich nach etwas anderem sehnen.

Wir kriegen nicht alle die Familie, die wir gerne hätten.

In den letzten Jahren habe ich mit so vielen Freunden und Menschen gesprochen, die nicht in der Lebenssituation leben, wie sie sich für sich im Sinne von Familie vorgestellt hätten. Das kann die unterschiedlichsten Gründe haben: vielleicht hat man sich von der Ursprungsfamilie ‘getrennt’, weil es dort Missbrauch gab oder weil die sexuelle Orientierung nicht akzeptiert wurde, vielleicht sind Teile der Familie bereits verstorben, vielleicht ist eine Ehe gescheitert, vielleicht hat man noch nicht den Partner gefunden, mit dem man eine Familie gründen könnte oder der Partner, den man liebt, hat für sich die Familiengründung bereits mit einer vorhergehenden Beziehung abgeschlossen. Es kann tausende von Gründen geben, die uns das Herz brechen.

Freunde kannst du dir aussuchen.

Familie nicht.

Während meiner Krisen-Zeit im Umgang mit meiner eigenen Unfruchtbarkeit habe ich immer wieder an all’ diese Menschen gedacht. Mir wurde klar, dass alle Menschen, die so etwas erleben, auch Trauer verspüren und dachte darüber nach, ob es da einen Unterschied zu meiner eigenen Trauer gibt. Doch was mir dabei klar wurde, war vor allem, dass alle diese Menschen in einem wirklich gut sind: eine Familie zu gründen!

Die Familie, die wir uns aussuchen

Wir suchen uns unsere biologischen Verwandtschaften nicht aus, wir werden in sie hinein geboren. Aber Freunde sind die Familie, die wir uns aussuchen. In gewisser Weise können Freundschaften sogar stärker sein, denn die Beziehung besteht nicht aus ‘angeborenen’ Verpflichtungen, sondern basiert auf der Entscheidung füreinander, weil man sich mag, weil man Interessen teilt, die gleichen Werte hat und miteinander harmonierende Persönlichkeiten, die sich entweder gut ergänzen oder sehr ähneln.

Wie viele von uns kennen da vielleicht einen Verwandten, mit dem wir niemals etwas zu tun hätten, wenn wir nicht auf irgend eine Art und Weise, die DNA miteinander teilen würden?

Gerade diese Freunde,  die nicht in die Familien hineingeboren worden sind, wo Beziehungen idealtypisch gelebt werden, haben mir beigebracht, wie man sein soziales Netz, sein soziales System durch Freundschaften erweitern kann. Sie investieren Zeit in ihre Beziehungen zu Freunden und werden belohnt mit Lebenslagen Bindungen, die genau so stark sind wie die in einer Familie. Wenn diese Verbindungen auch den eigentlichen Verlust nicht wiederzumachen können, sind sie doch perfekt, um Löcher zu stopfen, Trauer aufzufangen und emotionale und psychosoziale Bedürfnisse zu erfüllen.

Deine Familie gründen

Für mich war einer der Beweggründe eine Familie zu gründen, eine Gemeinschaft zu bilden, zu der man eben unweigerlich dazu gehört. Sicherlich auch befeuert von den oben erwähnten Ideal-Bildern von Familien, die zusammenhalten und füreinander durchs Feuer gehen. Ich habe natürlich unzählige Freunde dabei beobachtet, wie sie diesen Schritt gingen und war immer ein wenig eifersüchtig. Wenn die Familien wuchsen, wurde ich in der Priorität immer mehr nach hinten gestuft, denn die Hauptbindung ging natürlicherweise in Richtung der eigenen Kinder und dem kleinen Mikrokosmos, den sie sich geschaffen hatten.

Ein wichtiger Teil um Frieden mit meinem Leben ohne Kinder zu schließen, war und ist deshalb, nach Wegen zu suchen, wie ich meine Familie in ‘nicht-traditioneller’ Weise gründen könnte. Wir – die wir darum trauern, nicht Eltern werden zu können – können eine Menge von Menschen lernen, die uns zeigen, dass es da mehr als eine Art gibt, eine Familie zu gründen. Der erste Schritt ist, neue Beziehungen zu finden und zu kultivieren.

Mit diesem Gedanken im Kopf, hier ein paar Ideen, wie Du den Platz in Deinem Herzen, der eigentlich für ein Baby reserviert war, füllen könntest:

Wenn Du in einer Partnerschaft lebst, genieße die Möglichkeiten, die daraus entstehen, eine Zweier-Familie zu sein. Ohne Kinder hast Du mehr Zeit und Energie, die Du in die Partnerschaft investieren kannst. Interessant ist in diesem Zusammenhang der Artikel “Want to save your marriage? Don’t have kids.” von Matthew D. Johnson, der zahlreiche psychologische Studien ausgewertet hat und wie folgt zusammenfasst: “Dreißig Jahre an Beweisen sind ausgewertet und die Ergebnisse sind schlüssig: die Beziehung von Ehepartnern leidet, wenn Kinder da sind.”

Recherchiere, ob Adoption oder Pflegschaft etwas für Dich sein könnte. Beide Optionen sind sehr komplex und benötigen geduldige Recherche und Überlegung. Adoption oder Pflegschaft sollte nicht als “natürlicher nächster Schritt” gesehen werden, um Kinderlosigkeit zu “kurieren”. Doch natürlich kann es eine gute Möglichkeit sein, eine Familie zu gründen für die Menschen, die sich dafür entscheiden.

Suche Dir eine Möglichkeit, mit Kindern oder Jugendlichen zu verbinden, die Unterstützung brauchen. Es gibt so viele Kinder, die Unterstützung benötigen und die Übernahme einer ehrenamtlichen Funktion kann zum Beispiel eine Möglichkeit sein, um die Verbindungen aufzubauen, die für Kinder hilfreich ist und Deinem Herzen das Gefühl von Gemeinschaft und Verbindung zu einem Kind liefert. Das Portal der Bundesregierung liefert hier eine Übersicht über alle Portale zum Ehrenamt – auch für Deine Region in Deutschland. Auch eine Patenschaft für ein Kind in einer ganz anderen Region der Welt gestaltet eine Verbindung zwischen Dir und einem Kind. Ich favorisiere und unterstütze da aktiv PLAN International e.V. – doch es gibt auch da natürlich noch unzählige andere Möglichkeiten.

Genieße die besondere Rolle, die Du im Leben von Nichten, Neffen oder anderen Kindern in Deinem Leben spielen könntest. Nutze die Zeit, die Du normalerweise für Deine eigenen Kinder genutzt hättest, um Dich um andere Kinder in Deinem Leben zu kümmern. Du kannst diese besondere Position nutzen, um diesen Kindern in Deinem Leben eine ganz andere Art von Liebe und Unterstützung zu schenken. Wer erinnert sich nicht an die “coole Tante” oder den “coolen Onkel” aus der eigenen Kindheit…

Kooperiere mit anderen, um ein Thema/ Projekt voran zu bringen für das Du brennst. Gibt es da etwas, wofür Du leidenschaftlich brennst? Finde einen Partner, der Deine Leidenschaft teilt und mach Dich an die Arbeit.  Oder Du startest ein Solo-Projekt, das Dich mit Menschen zusammen bringt, die so denken wie Du. Rate mal, was ich mit diesem Projekt LEBEN OHNE KINDER hier bezwecke… 😉 Dieser Blog und mein Coaching-Angebot dazu ist mein Projekt für das ich brenne und ist eben auch eine wunderbare Möglichkeit neue Menschen kennenzulernen, die ähnliche Erfahrungen machen mussten wie ich.

Verbinde Dich mit anderen, mit denen Du ein Hobby oder ein Interesse teilst. Du liebst Stricken, Yoga, Imkern, Wandern, Whiskey, Briefmarken sammeln? Was auch immer Dein Interesse sein mag, die Chancen stehen nicht schlecht, dass Du andere Menschen findest, die Dein Interesse teilen? Nutze Dein Google-Talent, Facebook Gruppen und Events, um sie zu finden. Hier geht es zu meiner noch ganz jungfräulichen Facebook-Gruppe für Menschen mit einem LEBEN OHNE KINDER – auch da können wir uns austauschen!

Arbeite freiwillig für eine Sache, die Du unterstützen möchtest. Auch (und teilweise sogar gerade) jetzt, während der schwierigen Zeit mit Corona, benötigen Tierheime, Tafeln, Naturschutzgebiete, Gemeindebibliotheken freiwillige Unterstützung, und Du kannst dort mit anderen Freiwilligen in den Austausch kommen, die Deine Werte teilen.

Sei Gastgeber für einen Studenten, der sein Auslandssemester hier verbringt. Sobald Auslandsreisen wieder erlaubt und möglich sind, suchen die örtlichen Universitäten und Fachhochschulen bestimmt wieder nach Gastgebern für ihre Austausch-Studenten.

Investiere Zeit und Energie in die Beziehungen, die für Dich ‘Familie’ sind. Beziehungen benötigen Zeit. Wenn Du Deine ‘Familie’ über Freundschaften erweitern möchtest, musst Du gewillt sein, diesen Beziehungen eine hohe Priorität einzuräumen.

Unterstütze und baue Beziehungen mit Mitgliedern der Online- oder Real-Community auf, der Du angehörst. Solche Communitys könnten sein: Mitglieder Deiner Glaubensrichtung oder Deiner spirituellen Praxis, die Childless not by Choice- bzw. Ungewollt kinderlos-Community, Menschen, die von einer Krankheit betroffen sind, eine politische Partei oder Gruppierung oder irgend ein anderer Aspekt, der den Kern Deines Wertesystems bildet. Es gibt nicht besseres als geteilte Lebenserfahrungen mit anderen, um ein Fundament für eine enge Freundschaft zu bilden.

Man sagt, dass Einsamkeit ein frei gewählter Zustand ist. Wenn Du das Gefühl hast, dass Dein Zirkel von Freunden oder Deine “Familie” zu klein ist, fang an, Zeit und Energie zu investieren, um sie zu erweitern. Diese Erweiterung mag anders aussehen als das, was Du Dir eigentlich erträumt hattest als Du  noch versucht hattest, ein Baby zu bekommen. Doch wir können eben lernen von den Menschen, die uns bereits zeigen, dass es eben mehr als einen Weg gibt, eine Familie zu gründen.

Fang an in Beziehungen zu re-investieren, die Du bereits hast. Vielleicht hast Du mache davon auch ein wenig vernachlässigt als Du im Babywunsch-Tunnel verschwunden warst. Meine ungewollte Kinderlosigkeit hat zu bestimmten Freundschaften auch eine Distanz herbei geführt, aber es brachte auch Tiefe in andere Beziehungen von denen ich es bisher nicht gedacht hatte.

Es kann manchmal schwierig sein, als Erwachsener neue Freundschaften zu finden, aber wenn Du bereit bist, Zeit und Energie zu investieren, ist es auch eine fantastische Art eine Familie zu gründen. Schließlich sind Freunde die Familie, die Du Dir ausgesucht hast. Und ich lebe mittlerweile glücklich in meiner Familie zu zweit. Und genieße es, meinen Interessen und Leidenschaften mit einem Projekt wie diesem hier Ausdruck zu verleihen.

Wie erweiterst Du Deine Familie auf Deinem Weg in ein freudvolles LEBEN OHNE KINDER? 

Photocredit: Kyle Bearden on Unsplash

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