Das Leben ist ungerecht

Ich fuhr in einem Sommer gerade mit einer Freundin mit dem Fahrrad zu einer Party als sie wie nebenbei zu mir sagte: „Ach, weißt du überhaupt, dass Irene* wieder schwanger ist?!“

Nein. Hatte ich nicht gewusst. War ja auch erst das dritte Kind…

Und erzählt wurde mir diese Neuigkeit von einer Freundin, die auch bereits Zweifach-Mama war. Und die wusste, dass ich seit Jahren mit dem Schwangerwerden kämpfte. Ach, kämpfte?! Unzählige Medikamente in mich reinwarf, Behandlungen und Operationen über mich ergehen ließ usw. All’ das wusste sie.

Dass die Party für mich sehr feucht, aber weniger fröhlich endete, lag daran, dass ich mich hier in mehrerer Hinsicht ungerecht behandelt fühlte vom Leben. 

Einerseits hatte die so beiläufige Aussage meiner Freundin gesessen. BÄM! Direkt rein in die Magenkuhle. Ungeschönt, ohne sich Gedanken darüber zu machen, wie diese Aussage bei mir ankommen würde, was das mit mir machen würde, knallte sie mir diese Info an den Kopf. Als würde es mir überhaupt nix ausmachen. Als hätte ich keine Gefühle. Als könnte ich das alles immer einfach so schlucken und hinnehmen. Vielleicht weil ich es mir inzwischen angewöhnt hatte, gute Miene zum bösen Spiel zu machen.

Andererseits war ich natürlich bestürzt über die Nachricht an sich: das dritte Kind in wieviel Jahren? Ich wusste es nicht genau. Aber ich wusste, dass Irene und ihr Mann Max die absolute Vorzeige-Familie waren. Zwei Kinder (Junge und Mädchen natürlich!) hatten sie schon, jetzt würde noch ein Nesthäkchen dazu kommen. Irene hatte nach den zwei Schwangerschaften immer noch eine Traumfigur, die gemeinsamen Elternzeiten hatten sie natürlich mit den Kindern im Ausland verbracht, Irene arbeitete bereits vor den Schwangerschaften als freiberufliche Journalistin und tat dies auch weiterhin überaus erfolgreich. Und wenn das nicht alles schon Gründe genug wären, um ….. nun ja…. wenigstens ein wenig neidisch auf diese Traumfamilie zu schauen, so war Irene doch bereits direkt zwei Monate nach Absetzen der Pille mit dem ersten Kind schwanger geworden. Alles war natürlich reibungslos verlaufen und als Mika knapp 2 Jahre alt war, wurde die Schwangerschaft mit Marlene verkündet. Auch die war jetzt schon 2 Jahre alt, so dass nun – wie am Schnürchen – natürlich Kind Nr. 3 kommen sollte…. Alles so einfach, so easy, so selbstverständlich. Für die anderen!

Für mich hatte dieser Weg ganz anders ausgesehen und ich war einfach nur wütend! Nicht unbedingt auf meine Freundin, die beim Verkünden der Nachricht vielleicht etwas sensibler hätte sein können, ja. Auch nicht auf Irene und Max, nein. Und schon gar nicht auf Mika und Marlene, die zuckersüß waren und deren Geschwisterchen es bestimmt auch werden würde, nein.

Sondern auf das Leben! Das Leben ans sich! Wieso war es so ungerecht? Wieso verteilte es Lasten so ungerecht? Was hatte ich getan, dass ich so bestraft wurde? Das war doch einfach nicht fair!

Nun bin ich kein religiöser bzw. gläubiger Mensch im eigentlichen christlichen Sinne. Also glaube ich nicht an das Konzept von Schuld und Strafe und Sünde und Bestrafung durch das Leben oder so. Doch es fühlte sich hier einfach echt wahnsinnig ungerecht an. Und ich fragte mich ernsthaft, womit ich das verdient hatte….

Die Wut, die ich spürte, wusste ich nicht zu verarbeiten. Auf der Party, zu der wir gerade fuhren, ertränkte ich sie in Prosecco. Doch das führte nur zu unsäglichen Kopfschmerzen am nächsten Morgen. So richtig verarbeitet bzw. rausgelassen hatte ich die Wut natürlich nicht.

Wenn du sie fühlst, sind sie da und dann dürfen sie auch da sein. Es gibt keine Gefühle, die nicht da sein dürfen. Wenn du sie fühlst, dann ist das ok. Die Frage ist nur, wie gehen wir mit den Gefühlen um, wenn sie da sind.

Ich erzähle euch diese Anekdote aus mehreren Gründen.

Zum einen um euch deutlich zu machen, dass alle diese Gefühle, die ich nach dieser Nachricht hatte, und die ihr selbst vielleicht auch schon mal gespürt habt, in solchen oder ähnlichen Situationen total in Ordnung sind und da sein dürfen. Sie haben ihre Berechtigung. Wenn du sie fühlst, sind sie da und dann dürfen sie auch da sein. Es gibt keine Gefühle, die nicht da sein dürfen. Wenn du sie fühlst, dann ist das ok. Die Frage ist nur, wie gehen wir mit den Gefühlen um, wenn sie da sind.

Wir brauchen ein Ventil für unsere Gefühle – sonst explodieren wir irgendwann.
Oder implodieren!

Als Erwachsene haben wir alle natürlich gelernt, Gefühle in gewisser Weise zu kontrollieren und sie in (vermeintlich) unpassenden Situationen eben auch zu verdrängen. Und da komme ich zum zweiten Punkt, weshalb ich euch diese Anekdote geschildert habe. Ich wurde im Laufe der Jahre eine Meisterin im Verdrängen meiner Gefühle. Egal ob es nun Wut war, die ich spürte oder Traurigkeit, ob ich gekränkt war, niedergeschlagen, was auch immer…. Die Maske der heiteren und ausgeglichenen Frau saß perfekt. Wie es darunter aussah? Ausschnitte davon bekam höchstens mein Mann zu sehen, doch wenn ich merkte, dass auch er davon überfordert war und nicht wusste, wie er auf meine Gefühlsausbrüche reagieren sollte, stopfte ich alles schnell wieder zurück unter die Maske – schließlich wollen wir ja niemanden verschrecken, gell?

Worauf will ich hinaus? Wir brauchen alle einen Auslass, ein Ventil für genau diese Gefühle, die alle da sind. Wir müssen sie sagen dürfen, aussprechen, loswerden. Sonst explodieren wir entweder oder implodieren unter der ganzen Last.

Als ersten Tipp kann ich euch dazu den Hinweis auf das gute alte Tagebuch geben. Einfach alles aufschreiben! Ungeschönt! Dann ist es raus! Für viele Menschen eine super hilfreiche Praxis.

Die nächste Möglichkeit ist es natürlich, sich mit anderen über diese Themen auszutauschen und dafür biete ich euch zum Beispiel meine Gruppe auf Facebook an. Hier findet ihr die Gruppe, die hoffentlich schnell wächst und dadurch dann auch wirklich zu dem Austausch-Organ wird, das wir alle brauchen: Leben ohne Kinder – die Gruppe für den Abschied vom Kinderwunsch

Ich habe für mich persönlich in den letzten Wochen außerdem noch eine zusätzliche Möglichkeit entdeckt, um mit all’ diesen aufgestauten Emotionen umzugehen. Aber davon berichte ich euch ein anderes Mal…. 😉

*Alle Namen wurden von mir geändert.

Photocredit: engin akyurt on Unsplash

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