2015 – der Start in mein Leben OHNE Kinder

Da lag ich nun in meinem Bett – einen Tag nach meiner dritten Eizell-Entnahme im Rahmen des dritten Versuches der künstlichen Befruchtung, vollgepumpt mit den Hormonen der letzten Stimulationsphase, 2,5 Wochen vor meinem 40. Geburtstag, dem Tag an dem ich offiziell „alt“ war, wie mein Arzt in der Kinderwunsch-Klinik nicht müde wurde, mir mitzuteilen. Auch meine Krankenkasse oder die Bundesregierung oder wer auch immer darüber bestimmt, dass künstliche Befruchtungen nur bis zum Erreichen des 40. Lebensjahres (mit gerade einmal 50% der Kosten) bezuschusst werden, unterstützte die Annahme, dass ich in 2,5 Wochen „alt“ bin. Meine Eizellen waren – glaubt man auch hier den Statistiken – schon seit mindesten 5 Jahren „alt“. Doch davon hatte ich, hatten wir – mein Mann und ich – uns nicht schocken lassen. Wir waren frohen Mutes in dieses Abenteuer gestartet, waren zuversichtlich bald Eltern zu werden. Schließlich bekamen so viele Freundinnen, Bekannte, Prominente… alle noch Kinder – auch jenseits der 40!

#infertility

Der Bauch zwickte und fühlte sich merkwürdig leer an. Auch wenn ich dieses Gefühl ja mittlerweile kannte, war es wieder ein sehr einsames Gefühl.

In meiner Einsamkeit – der Mann war schließlich wieder arbeiten – fiel mir nichts besseres ein als auf Instagram nach dem Hashtag #infertility, also zu deutsch: #unfruchtbar zu suchen. Und in der Tat gab es dort massenhaft Bilder, Berichte, von Frauen, die gerade dasselbe durchmachten wie ich: Hoffnung verbunden mit körperlichem Leid und Angst. Vermehrt fand ich diese Tatsachen-Berichte unterlegt mit anschaulichen Bildern von Frauen in OP-Hemden, blauen Flecken auf aufgeblähten Bäuchen von den Hormonspritzen und Bergen von Medikamenten, die mich weniger alleine fühlen ließen, jedoch im englisch-sprachigen Raum. Und selbst dort scheuten sich viele Paare ihr Gesicht in die Kamera zu zeigen, verschwanden in der Anonymität von Nicknames und Bildern, die zwar Auszüge aus dem Leben zeigten, aber keine Rückschlüsse auf die wirkliche Identität zuließen.

Bei meinen regelmäßigen Besuchen in der Kinderwunsch-Klinik fiel mir allerdings jedes Mal auf, dass das Wartezimmer berstend voll war. Während meiner Besuche in den letzten vier Jahren wurden immer mehr Stühle für das Wartezimmer angeschafft. Doch was vorherrschte, war Schweigen. Keiner redete darüber, alle litten stumm vor sich hin. Lediglich die Internetforen auf den gängigen Seiten waren voll von Berichten, deren Lektüre ich mir bereits während des ersten Versuches der künstlichen Befruchtung abgewöhnt hatte. Die teilweise gegenseitigen Beschimpfungen, Ratschläge, wer was wann wie richtig machte oder auch nicht und der gegenseitige Austausch über die unterschiedlichen Behandlungsmethoden machten mich eher verrückt als dass sie mich beruhigten.

We must be willing to let go of the life we planned so as to have the life that is waiting for us. – Joseph Campbell

Die meisten Dokumentationen über das Thema Kinderwunsch fanden bei den nicht unbedingt für ihr Niveau bekannten Fernseh-Programmen statt und endeten wie die Diskussionen in den Internetforen auch zumeist mit den positiven Nachrichten der Schwangerschaft. Oder es handelte sich um bedeutungsschwangere Reportagen, die depressiv werden ließen und für die man, um sie überhaupt zu sehen, bis in die nachtschlafende Zeit hinein wach bleiben oder die Mediatheken der Sender bemühen musste. Alles Dinge, die man zu den unterschiedlichen Phasen auf dieser Reise nicht gebrauchen kann.

Es gibt eben nicht immer ein Happy-End!

Die, die nichts Positives zu verkünden hatten, verkrümelten sich wahrscheinlich alle irgendwann und hatten genug damit zu tun sich in ihrem neuen Leben einzurichten; in ihrem Leben ohne Kinderlachen, ohne laute Begeisterungsrufe zu Weihnachten und ohne Hinterlassenschaft ihrer Existenz.

In den Buchhandlungen fand man Regale voller Ratgebern, Büchern und Tagebüchern für Schwangerschaft, Geburt und Kindererziehung. Nach Ratgebern für die Kinderwunsch-Phase oder gar Erlebnisberichten von Betroffenen suchte ich jedoch meist vergeblich bzw. gingen die wenigen Publikationen, die es hierzu bereits gab wahrscheinlich unter, zwischen all’ den pastellfarbigen Büchern mit prallen Babybäuchen und strahlenden Babygesichtern auf dem Cover.

Andere berichten zwar von der anstrengenden Phase der Kinderwunsch-Zeit und den Rückschlägen, Schmerzen, Fehlgeburt(en) etc. – doch meistens endeten diese Berichte mit der glücklichen Nachricht, dass das Wunder doch noch geschehen war und nun ein Baby Einzug in das Leben gehalten hatte.

Etwas anderes wurde geboren

Ich war mir sicher, dass ich nicht die Einzige sein würde, die das Happy End eben nicht erleben durfte. Doch darüber wurde geschwiegen. Ich erlebte es als ein Tabu, wenn ich anfing darüber zu sprechen.

Und da wurde etwas anderes geboren: die Idee der Enttabuisierung, der Wunsch darüber zu sprechen, der Wunsch andere Frauen zu begleiten, denen es eben so erging wie mir.

Es mussten einige Jahre ins Land gehen bis ich nun so weit bin, meine Erlebnisse mit der Welt zu teilen. Nicht aber nur meine Erlebnisse, sondern vor allem meine Erfahrungen, wie man es schafft vom Kinderwunsch Abschied zu nehmen, die schmerzlichen Erfahrungen zu verarbeiten und wieder Freude am Leben zu entwickeln.

Mit dieser Webseite, diesem Blog und dem Buch, das gerade entsteht, will ich das Schweigen in der Gesellschaft ein wenig weiter auflösen und der Stille eine Lautstärke geben.

Fotocredit: Ashton Bingham on Unsplash

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